An den Heilig Abend, Weihnachten 1969, erinnere ich mich noch gut. Von meinem Bruder bekam ich meine erste eigene Kamera geschenkt. Endlich. Nichts hatte ich mir sehnlicher gewünscht.
Es war eine „Kodak-Box“, eine Einfachst-Kamera der Marke „durchgucken, abdrücken, fertig“. Ich knipste alles, was mir vor die Linse kam. Doch die Freude hielt nicht allzu lange an. Zum einen war Fotografieren damals ein ganz schön teurer Spaß, der mein Taschengeld komplett verschlang, zum anderen genügte die Qualität der Bilder meinen steigenden Ansprüchen bald nicht mehr.
Mein Onkel, Hermann von der Heydt, ein engagierter Hobbyfotograf, nahm sich meiner an. Ich durfte ihn bei seinen Foto-Exkursionen begleiten. Mal fotografierten wir Ringelnatter-Nester am Aalkistensee, mal die Rathäuser des Kraichgaus, mal seine Arbeitskollegen.
Als ich 14 war, ging mein Traum einer richtigen Kamera endlich in Erfüllung. Vom Konfirmanden-Geld konnte ich mir meine erste Spiegelreflexkamera, eine SL35 von Rollei, kaufen.
Um meine „Fortbildung“ in Sachen Fotografie machte sich ein neuer Mentor, Werner Vollmer, ein hervorragender, kreativer Fotograf aus Bretten, verdient. Mit ihm und einigen anderen Fotobegeisterten unternahm ich ausgedehnte Foto-Exkursionen: Makro-, Nachtaufnahmen, Portraits und und und...
Dabei kamen auch die technischen Seiten des Fotografierens wie Bildgestaltung, Belichtungsmessung und das Zusammenspiel von Blende und Verschlusszeit nicht zu kurz. Oft beschränkten wir uns auf die Schwarz-Weiß-Fotografie. Zum einen der Kosten wegen, zum anderen um Filme selbst entwickeln und auf Fotopapier belichten zu können.
So wurde ich allmählich mit allen Grundlagen der Fotografie vertraut und für mich stand fest: Ich wollte Fotograf werden. Dass es nicht so kam, lag nur an der/einer mangelnden Lehrstelle.
Während meines anschließenden Studiums zum Industrie-Designer in Pforzheim sammelte ich erste Erfahrungen mit der Studio-Fotografie. Objekt-, Portrait- und Aktfotografie waren unsere Schwerpunkte. Später, an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, entwickelte ich meine ersten Storyboards für künstlerische Video- und Fotoinstallationen.
All diese Erfahrungen waren, und sind heute noch, eine hervorragende Basis für mein berufliches Schaffen.
Über mehr als 12 Jahre hinweg konzipierte, gestaltete und generierte ich hauptberuflich 3D-Animationen und Computergrafiken im High End-Bereich für TV, Industrie und Werbung.
Der Wechsel von der realen zur virtuellen Software-Kamera eröffnete mir völlig neue Möglichkeiten. Die digitale Bildbe- und verarbeitung erlebte ich von ihren Anfängen an und sie ist mir bis heute kreative Herausforderung, mit immer neuen Methoden, Programmen und Anwendungen. Sie ist Teil meines privaten und durch meine Agentur FACT PRODUCTION auch bedeutender Teil meines beruflichen Lebens geworden.
Ein Höhepunkt meiner fotografischen Laufbahn stellt ohne Zweifel die Dokumentation zum Brettener Peter-und-Paul-Fest im Jahr 2004 dar. Über die VAB Bretten erhielt ich die Möglichkeit, die Veranstaltungen zum 500jährigen Jubiläum des Brettener Peter-und-Paul-Festes zu begleiten. Welch eine einmalige Gelegenheit, diese mittelalterlichen Szenen mit der Kamera festzuhalten und mein fotografisches Credo „Mitten drin – nicht nur dabei“ auszuleben. Im Laufe des Jahres entstanden so die Fotoserien „Markt & Tafeley“, „Peter-und-Paul-Fest“ sowie „Der Tross“, die Grundlage zweier Bildbände wurden.
Eine Sonderstellung nimmt für mich dabei die Bildserie „Der Tross“ ein, hält sie doch das unvergessliche Erlebnis eine „Zeitreise ins Jahr 1504“ fest, die eindrücklicher nicht sein könnte.
Aus dieser einmaligen Fotoserie heraus entstand die Ausstellung „Der Tross“ mit Farbfotoabzügen und vier Großbildschirmen in der Sparkasse Kraichgau in Bretten im Juni/Juli 2005.
Zurückblickend sehe ich heute, dass schon zu Beginn meines Fotografierens der Mensch in seiner Umgebung mein bevorzugtes Thema war. Dokumentarisches Festhalten des Moments bestimmt meine Arbeit. Gerne porträtiere ich die Menschen, deren Leben und die Region. Dass sich hierbei meine private Neigung und mein Beruf als Designer bestens ergänzen ist dabei ein durchaus willkommener Aspekt.